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Ja, Yogaposen müssen unterrichtet und in einer Art durchgeführt werden, die das Risiko für Verletzungen möglichst verringert. Und Ja, die Posen sollten mit dem bloßen Auge zu erkennen sein. (Wenn dein Virabadrasana II / Warrior 2) mehr wie ein Haufen Scheiße aussieht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du etwas falsch machst. 

Asana (die körperlichen Übungen, die die meisten Menschen nennen, wenn sie Yoga meinen) ist nicht das Ziel von Yoga, es ist lediglich ein Werkzeug, um es zu erreichen. Nach Patanjali ist es bei Yoga nur notwendig, sich den anderen anzupassen, wenn es darum geht, sich gut zu fühlen, regelmäßig zu üben und währenddessen entspannt zu sein.

Allerdings gibt es heutzutage viele Lehrer, die sich nur auf die Asanas und den Körper konzentrieren. Als langjähriger Yoga- und Asanalehrer verstehe ich die Notwendigkeit, Anatomie und Physiologie zu studieren. Schließlich sind Asanas immer noch eine körperliche Übung. Den menschlichen Körper zu verstehen, seine Fähigkeiten und Grenzen, kann Lehrern helfen, den Studenten sicher bei Yoga zu begleiten. Dieses Wissen ist wichtig bei Übungen, wenn sie ausgeglichen stattfinden und sich nach den individuellen Voraussetzungen des Schülers richten. Außerdem sorgt es dafür, dass Du dich sehr schlau anhörst!

Aber indem der Fokus auf den Körper gelegt wird, ignorieren wir das Positive von Geist und Seele. Wenn Asanas korrekt durchgeführt werden, vereint sich der Atem mit der Bewegung und die Aufmerksamkeit ist auf den drshti (Punkt der Aufmerksamkeit) gerichtet. Asanas können eine Art der Meditation sein.

“Yoga ist wie ein Edelstein, es hat viele Facetten.”

Diese vielen unterschiedlichen Seiten reflektieren das Licht einer Routine, die weitaus weiter reicht als nur Asana – atmen, meditieren und weitere Übungen sind darauf abgestimmt, den Übenden zu transformieren. Sich damit zu quälen, sich auszurichten, legt den Schwerpunkt auf die Asanas und den Körper. Es legt außerdem den Schwerpunkt in Details, die weder dazu führen, dass das Risiko, sich zu verletzen sinkt, noch bewirken, dass die Pose leichter zu erkennen ist.

Ich habe schon Lehrer gesehen, die 15 Minuten damit verbracht haben, eine Klasse damit zu stressen, eine Pose in der perfekten Ausrichtung einzunehmen – der kleine Zeh eines Fußes musste absolut senkrecht zur Linie des Knöchels stehen. Dies macht eine Klasse aber nicht sicherer oder führt dazu, dass die Schüler Interesse haben. Dies waren nur 15 verschwendete Minuten.

Zusätzlich zu verschwendeten Zeit der Klasse gibt es aber weitere Gründe, warum ich denke, dass es falsch ist, den Schwerpunkt der Ausrichtung über andere Prinzipien des Yoga zu stellen.

Auf wessen Anatomie basieren die Prinzipien?

Jeder Mensch hat eine einzigartige Anatomie. Zwei Körper sind niemals identisch, wir haben alle verschiedene Stärken und Schwächen und unsere Gelenke können große Unterschiede aufweisen. Warum also haben wir verschiedene Yogastile, die einen Einheitsgrößen-Zugang zur Ausrichtung besitzen? Das schränkt die meisten Schüler ein und erniedrigt die anderen. Die Unterschiede in Bezug auf das Skelett und die Muskeln zu ignorieren, kann nur zu Verletzungen führen. Das ist schlichtweg unverantwortlich.

Fast alle Posen können so angepasst werden, dass sie von jedem Körper und jeder körperlichen Einschränkung ausgeführt werden. Sich als Lehrer nur an einer Ausführung festzuhalten, schließt alle aus, die nicht oder noch nicht beweglich oder kräftig genug sind sowie solche, deren Skelettstrukturen dazu führt, dass sie nur eine eingeschränkte Bewegung haben.

Es betont Perfektion

Sich ausschließlich auf die Ausführung zu fokussieren, führt dazu, dass die Schüler Fehler machen. Wenn der Standard in einer Klasse bei Perfektion liegt, sind die Schüler dem Untergang geweiht. Bei einigen Teilnehmern kann dies zu Angst und Unsicherheit führen. Außerdem ist es in keinster Weise der Entwicklung einer Yogaroutine förderlich.

Ich habe bei verschiedenen Yogastilen gesehen, dass eine Pose entweder perfekt ausgeführt werden muss – oder gar nicht. Vielleicht macht das Sinn, wenn man sich auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Allerdings ist das rhythmische Sportgymnastik und kein Yoga. Yoga ist keine Aufführung, es wird nicht benotet oder beurteilt. Der beste Weg Yoga zu lernen, ist Yoga zu praktizieren, auch wenn das bedeutet, eine vereinfachte Version durchzuführen.

Eine Pose perfekt zu machen, sollte nicht damit verwechselt werden, sie perfekt auszuführen. Perfektion in Asanas kommt, wenn der Durchführende die Asanas so gut wie möglich nach seinen Fähigkeiten durchführt und Regelmäßigkeit sowie Entspannung beim Üben beibehält, wie es bei Patanjali beschrieben ist. Dies kann durch die Anpassung des Atems an die Bewegungen und durch die Aufrechterhaltung der Meditation beim Praktizieren erreicht werden.

Es schafft Abhängigkeit zum Lehrer

Ich habe einst an einem Unterricht teilgenommen, wo die Basis die Ausführung darstellt. Der Lehrer erzählte mir bei jeder Pose, die ich eingenommen habe, dass ich etwas falsch mache. Mir wurde nie genau erzählt, was ich falsch mache oder wie ich die Posen richtig machen könnte. Wenn ich den Lehrer fragte, wie ich sie richtig durchführen kann, ignorierte er mich. Ich ging nie wieder in diesen Unterricht.

Ich konnte sehen, wie einige Schüler wieder zum gleichen Lehrer zurückgingen. Wenn der Lehrer einen Fehler sieht, muss er in der Lage sein, ihn zu korrigieren. Sicherlich kann der Lehrer dir den richtigen Weg zeigen, um zu lernen. Ein solches Verhalten fördert sonst die Unsicherheit des Schülers.

Wenn dein Yogalehrer dir sagt, dass du jede Pose falsch durchführst, aber erzählt dir nicht, wie es richtig geht oder korrigiert dich nicht, such dir einen neuen Lehrer. Emotional verkrüppelte Schüler, die den BMW ihres Lehrers mit schlechtem Unterricht abzahlen, sind moralisch nicht hinnehmbar.

Ein guter Lehrer will, dass die Schüler ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln und keine abhängigen Schüler bleiben. Der einzige Grund, an einem Yogaunterricht teilzunehmen, ist der, an deiner Yogaroutine zu arbeiten. Dein Yogalehrer ist nicht erleuchtet. Also konzentriere dich auch deine Routine und wachse als Person.

Konzentriere dich nicht auf den Lehrer – er ist der Anführer, nicht das Ziel – Es beschränkt die Entwicklung

Meine eigene Linie konzentriert sich nicht auf die Ausführung und vernachlässigt dafür die Sicherheit.  Und trotzdem habe ich sicher tausende Schüler unterrichtet, wie sie erfolgreich Asanas durchführen.

Was ist mein Geheimnis? Führer einfach die Pose so durch wie es deine Fähigkeiten erlauben. Manchmal sind dafür Probleme erforderlich, manchmal Punkte (Sorry, scheint ein englischer Ausdruck zu sein, den ich nicht kenne Sometimes that requires props, and other times spots.) Yogaasanas können nur gelernt werden, indem sie durchgeführt werden.

Wenn du warten musst, um eine Pose zu perfektionieren, bevor du mit einer neuen beginnen kannst, wirst du unter Umständen jahrelang warten, während dein Körper Flexibilität und Kraft verliert. Ganz nebenbei, wie lang willst du an Tadasana arbeiten?

Der beste Weg, um fortgeschrittene (oder jede Art) Asanas zu lernen, ist sie zu machen. Ein erfahrener Lehrer ist notwendig, um die Positionen anzupassen und die notwendige Flexibilität und Kraft für die Pose aufzubauen. Und Nein! Nur weil ein Lehrer diese Pose durchführen kann, heißt das nicht, dass er es unterrichten kann. Genauso wie es möglich ist, dass jemand unterrichten kann, der die Übungen nicht selbst durchführen kann.

Es führt dazu, dass Schüler eine Position denken und nicht fühlen.

Der kraftvolle Teil von Asanas liegt nicht in der äußeren Erscheinung einer Pose, sondern in dem Fließen der Energien durch den Körper. Wenn ein Lehrer zu viel darüber redet, zu viel Details über die Ausführung der Pose preisgibt, kommen die Schüler aus ihrem Körper heraus und gelangen in den Kopf. Anstatt zu fühlen, denken sie jetzt – und normalerweise denken sie: „Mach ich das richtig?“ Und schauen sich dabei im Spiegel an oder vergleichen sich mit anderen.

Asanas können ebenso eine Meditation sein. Eine Yoga-Meditation ist nichts anderes als Konzentration. Einem Schüler Hinweise, Korrekturen und Anleitungen zu geben, lenkt ihn lediglich von der eigentlichen Position ab.

Der Sinn von Yoga liegt darin, das selbst in ein Selbst zu verwandeln. In Hatha-Yoga lernen wir den Körper und Atem zu kontrollieren, um so den Geist zu beherrschen. Wenn der Lehrer den Geist der Schüler mit Anweisungen füllt und dies dazu führt, dass seine Gedanken außer Kontrolle geraten, hat er in seinem Yogaunterricht versagt.

Du wirst nie an Asana vorbeikommen

Sich nur auf die physischen Aspekte von Yoga zu konzentrieren, ist sehr eingeschränkt. Yoga ist ein großes Studienfeld und es gibt viele verschiedene Formen. Hatha-Yoga, das Yoga, das Asana beeinhaltet, betont außerdem Pranayama, Meditation und mehr.

Die Linie, die sich besonders darauf konzentriert, die Ausführung korrekt durchzuführen, hat nur wenig und gar kein Pranayama sowie Meditation im Unterricht (das ist keine Kritik, sondern lediglich eine Beobachtung). Das ist so, weil mit Pranayma und Meditation nicht Anatomie und Physiologie erklärt werden können. Natürlich gibt es physiologische Auswirkungen auf eine Meditation und auch die Auswirkungen auf die Atmung sind faszinierend.

Aber die Kraft, die in Pranayama und Meditation liegt, ist nicht messbar und sichtbar in der großen physikalischen Welt.

Yoga ist mehr als fit zu werden. Es ist eine spirituelle Praxis. Wenn wir uns nur auf unseren Körper fokussieren, verlieren wir den Wert von Yoga als Ganzes. Lass uns unseren Körper als ein Transportmittel verstehen, nicht als ein Ende. Unseren Körper wertzuschätzen, wird uns enttäuschen, wenn wir altern, krank werden und letztendlich uns dabei beobachten, wie wir sterben.

Anstatt unseren Körper und unsere Knochen anzupassen, sollten wir unseren Geist und unsere Seele unseren Werten, unserer Moral und unserem waren Selbst anpassen. Lass uns Yoga praktizieren, nicht nur Asanas.

 übersetzt aus dem Englischen von Silvio Fritsche

 

Maya Devi Georg ist Yoga-Lehrerin und Autorin  für Yoganonymous sowie bei www.BrahmalokaOrBust.com. Ihre Lehrer waren u.a. Swami Bua, Swami Jnanand, Yogi Gupta, und Swami Chetanananda. Sie lebt zusammen mit ihrem Partner Kiran Dev Chris und ihren Hund Spitha Canis in Stuttgart.